Bevor ich tiefer einsteige, möchte ich eines klarstellen: Bio-Baumwolle ist ein wunderbarer Anfang. Sie ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu nachhaltiger Kleidung – und ganz ehrlich: jeder Schritt zählt. Aber für unseren Shop ist das eben nur ein Anfang. Kein Ziel.
Warum? Weil ein Kleidungsstück auf seinem Weg von der Pflanze bis zu unserem Lager viele Stationen durchläuft. Und wenn nur eine dieser Stationen „bio“ ist, der Rest aber nach konventionellen Standards weiterläuft – wie nachhaltig ist es dann wirklich?
Ich teile den Herstellungsprozess gerne grob in fünf Schritte auf:
- Anbau und Fasergewinnung
- Garnerzeugung
- Gewebeherstellung
- Färbung
- Produktion und Ausrüstung
Natürlich kommen auch Transporte hinzu – auf die gehe ich heute aber nicht näher ein, weil sie unabhängig vom Bio- oder konventionellen Verfahren stattfinden.
Schritt 1: Der Anbau – ein echter Lichtblick
Hier beginnt alles: Beim Bio-Baumwollanbau wird auf Pestizide und Herbizide verzichtet – das schont die Umwelt, schützt die Böden und tut vor allem den Menschen gut, die auf den Feldern arbeiten. Das ist großartig und einer der Gründe, warum ich Bio-Baumwolle nicht grundsätzlich ablehne – im Gegenteil.
Und danach?
Das Problem beginnt, wenn nach dem Anbau keine konsequente Weiterverarbeitung unter zertifizierten Bedingungen erfolgt. Dann wird die Bio-Baumwolle zwar „grün“ angebaut, aber anschließend ganz konventionell verarbeitet.
Was bedeutet das konkret?
Garnerzeugung & Gewebeherstellung
Auch hier kommen oft Chemikalien ins Spiel: Paraffin, Antistatika, Schmierstoffe auf Erdölbasis – in der konventionellen Herstellung völlig normal. Beim Weben werden chemische Hilfsmittel wie Appreturen oder Gleitmittel eingesetzt, die trotz Auswaschen Rückstände hinterlassen können.
Färbung: der chemische Wendepunkt
Die Färbung ist der Teil der Produktionskette mit dem höchsten Chemikalieneinsatz. Ohne Zertifizierungen können hier problematische Stoffe wie Azo-Farbstoffe, Chlorbleiche, Silikone oder Weichmacher verwendet werden. Diese Stoffe belasten nicht nur die Umwelt und die Gesundheit der Färber:innen – wir tragen sie letztlich auch auf unserer Haut.
Produktion & Ausrüstung
Das Nähen selbst geschieht zwar meist ohne Chemikalien. Doch danach folgt oft noch die sogenannte „Ausrüstung“: Kleidung wird imprägniert – zum Beispiel mit antimikrobiellen Substanzen, die wiederum Auswirkungen auf unsere Haut und die Umwelt haben können.
Übrigens ein oft übersehener Punkt: der Transport. Auch hier sind im konventionellen Bereich Fungizide und Schädlingsbekämpfungsmittel erlaubt – im zertifizierten Bio-Kreislauf sind diese streng verboten.
Nun habe ich euch also detailliert aufgezählt, wie die Baumwollproduktions-Wertschöpfungskette aussieht – und zur Veranschaulichung auch noch ein Schaubild erstellen lassen:

Mein Fazit – und warum wir im Shop andere Maßstäbe setzen
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf meine Kernaussage zurückkommen: Warum uns Bio-Baumwolle als Qualitätsstandard im Shop nicht ausreicht.
Nach dem Anbau können einfach noch so viele Chemikalien zum Einsatz kommen, dass ich diese Methode weder für uns Menschen – und im Fall meines Shops insbesondere für Kinder – noch für die Natur vertreten kann.
Ich möchte Kleidung verkaufen, die ich mit gutem Gewissen meiner eigenen Tochter anziehe. Kleidung, bei der wir wissen, dass sie nicht nur „bio“ beginnt, sondern in jedem Schritt so schadstoffarm und verantwortungsvoll wie möglich hergestellt wurde.
Deswegen reicht Bio-Baumwolle allein da nicht. Der gesamte Verarbeitungsprozess muss unter ökologischen und gesundheitlich unbedenklichen Bedingungen stattfinden – sonst verpufft der Vorteil des biologischen Anbaus.
Denn Baumwolle hat ohnehin schon einen sehr hohen Wasserverbrauch beim Anbau – da müssen wir Menschen nicht auch noch zusätzlich Chemikalien in die Umwelt einbringen.
Ja, echte Nachhaltigkeit ist komplex. Und ja, sie erfordert mehr Aufwand. Aber genau das ist es, was ich für euch – und für unsere Umwelt – leisten möchten.
Aus diesem Grund habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, ausschließlich Kleidung anzubieten, die mindestens das GOTS-Siegel trägt – mit wenigen Ausnahmen kleinerer deutscher Marken.
Dieses Siegel gibt mir die Sicherheit, dass entlang der gesamten Produktionskette – vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück – strenge ökologische und soziale Kriterien eingehalten werden.
Noch einen Schritt weiter geht der IVN BEST Standard, der aktuell die strengsten Richtlinien für Naturtextilien vorgibt. Deshalb freut es mich besonders, dass ich auch Produkte im Sortiment haben, die diesem anspruchsvollen Standard entsprechen.
Ausnahmen bilden lediglich kleinere deutsche Marken, bei denen nicht das gesamte Produkt zertifiziert ist, da eine vollständige Zertifizierung mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden wäre. Die Produktion erfolgt jedoch in Deutschland, und auch die Verarbeitung richtet sich nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien.
So kann ich wirklich mit gutem Gewissen sagen: Die Kleidung in meinem Shop ist so konsequent nachhaltig, wie sie nur sein kann.
Unter Bio-Baumwolle: die ökologische Alternative überzeugt vom IVN findet ihr übrigens auch viele detaillierte Informationen über den Anbau und die Weiterverarbeitung.
Wenn ihr Fragen habt oder euch austauschen möchtet: Ich freue mich sehr über eure Nachrichten – per Mail oder direkt in den Kommentaren.
Herzliche Grüße
Katrin









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